Elvis‘ Filme (5) „G.I. Blues“

Schock! Schon die ersten Bilder von „G.I.Blues“ (Café Europa) lassen Mund und Äuglein schmal werden. Panzergrenadiere auf einem Truppenübungsplatz, und an der Kanone sitzt Elvis mit appe Haare und macht Soldatenwitze. Nun war ich in jungen Jahren glühender Fan des Kings, aber ebenso entschieden agitierte ich in Zeiten des NATO-Doppelbeschlusses gegen den Krieg und verweigerte ganz selbstverständlich den Wehrdienst. Neben einem angelesenen Pazifismus motivierte mich hierzu meine Abneigung gegen jene besoffenen Soldatenhorden, die am Wochenende die Fernzüge verstopften. Nun ja; umgeben von eben diesen Leuten witzelt sich nun Elvis durch diesen Film, seinen ersten nach Abschluss seines Wehrdienstes in Bad Nauheim. Und schmonzettieren darf er auch, er gibt also diesmal einen singenden
Panzergrenadier. Er ist weicher als in „King Creole“, fülliger, lächelt viel und verzichtet auf sämtliche rebellischen Attribute, etwa die linkisch schlaff herabhängende Hand auf der Bühne des „King Creole“ . Ein Elvis ohne Rebellion wirkt jedoch tumb und tranig, und zwar so sehr, dass ich nach 30 min vor Entsetzen die DVD stoppe und schwer atmend im Hausflur auf und ab tigere. Der Plot in kurz: um eine Wette zu gewinnen, muss Elvis mit dem schönen Fräulein Lili (Juliet Prowse) eine Nacht verbringen. Das Spiel wird gewonnen und man verliebt sich, Lili erfährt von der Wette, kurze Krise, alles wieder gut, Ende. Elvis ergattert die Nacht, weil er ein Baby sitten muss, als Mann hiermit selbstverständlich überfordert ist und Lili um Hilfe bittet. Die meisten Dialoge sind dumm wie Stulle. Regisseur Norman Taurog hatte 1932 einen Oscar für „Skippy, das Buschkänguru“ gewonnen, und womöglich hielt er die sprachlichen Qualitäten eines Beuteltieres auch in den Texten der Hauptdarsteller seiner folgenden Filmen für hinreichend. Unfreiwillig ulkig: Das Denglische der US-Soldaten, etwa zum Taxifahrer: „Keepen sie the change!“ 

Gibt es überhaupt Gründe, sich „G.I.Blues“ heutzutage anzusehen? Gewiss! Erstens der knallhart verengte Blick auf das besiegte Westdeutschland. Es besteht aus Leberwurst, Kasperletheater und heiratswilligen Jungfern. Die Außenschüsse, etwa vom Frankfurter Hauptbahnhof, lassen den heutigen Betrachter kurz aus seinem Halbschlaf hochschrecken. Hoppla, so ganz ohne Hochhäuser – Ein nacktes Frankfurt quasi, ohne Verkleidung als Weltmetropole. Zweitens: Die Kasperletheaterszene, in welcher Elvis „Muss I denn zum Städele hinaus“ singt. Ein putziges Kleinod, ein Hohefest der Niedlichkeit. Deutsche Elvis-Fans müssen sich Ende 1960, als der Film in Deutschland herauskam, ungeheuer privilegiert gefühlt haben. „Unser Elvis! In unserer Sprache!“ (Wenngleich ich die wahre Bedeutung der Zeilen „Sei mir gut, sei mir gut, sei mir wie du wirklich sollst“ nie wirklich durchdrungen habe). Schließlich sei drittens die Lollopoppene Farbigkeit des Films lobend erwähnt. Nach den schwarz-weißen Sozialdramen schienen Colonel Parker und Produzent Hal B.Wallis ihrem Protagonisten kein weiteres Steigerungspotenzial im ernsten Fach zuzutrauen, und offenbar beschloss man eine Kehrtwende auf allen Gebieten: Flach, leicht und bunt.    

Noch schockierender als den Film finde ich jedoch die zeitgenössische Kritik des Evangelischen Pressedienstes. Die Halleluja-Cineasten bescheinigen Elvis eine positive Entwicklung. Puh. 

Norman Taurog sollte in den nächsten Jahren zu Elvis‘ Haus- und-Hofregisseur avancieren. Mir schwant, dass mir schwere Stunden bevorstehen. Nun denn. Elvis lebt. Amen.