Elvis‘ Filme (4) „King Creole“

„King Creole“ gilt gemeinhin als der Höhepunkt des Presleyschen Filmschaffens (auch wenn auf der Mehrzahl aller Elvis-DVD-Hüllen behauptet wird, man halte das größte Meisterwerk in der Hand).

Eigentlich spielt der Roman „Die Gnadenlosen“ (A Stone for Danny Fisher) von Harold Robbins im New York der Weltwirtschaftskrise, aber Regisseur Michael Curtiz verlegte die Handlung nach New Orleans, und, wenn ich die Heckflossen der Autos richtig deute, ins Jahr des Drehs, also 1958. Warum New Orleans? Vielleicht, um den Plot zu „versüdstaatlichen“ und die Kulisse an den Hauptdarsteller und seinen Akzent anzupassen.

Wie sein Vorgänger „Jailhouse Rock“ hält auch „King Creole“ Schwarz und Weiß für die bildsprachliche Übersetzung von Rock und Roll. Michael Curtiz, der durch „Casablanca“ allgemein als Meister des Film Noir anerkannt ist, perfektioniert Elvis‘ Auftritt als Täter und Opfer zugleich. War der ambivalente Tollenträger bisher trällernder Farmer, Bierkutscher, Häftling, so spielt er diesmal einen rebellischen Schulversager mit Gold in der Kehle, und wie in den beiden vorangegangenen Filmen muss er sich zwischen zwei Frauen entscheiden: Der „lieben“, wieder gespielt von Dorothy Hart, und der „dubiosen“, diesmal eine Gangsterbraut, gespielt von Carolyn Jones. Jones dürfte einem breiten Publikum als „Morticia“ aus der Fernsehserie „The Adams Family“ bekannt sein; sie war die erste Ehefrau von Aaron Spelling und starb im Alter von 53 Jahren an Krebs. Hm. Langsam gewinne ich den Eindruck, dass man besser nicht in Elvis-Filmen mitspielt.

Zum dritten Mal zeichnet Elvis das Coming-Out eines Rock’n’Roll-Sängers nach, beginnt verhalten, legt nach und nach seine Hemmungen ab, ehe er mit „Trouble“ zu sich selbst, also zu Elvis, findet. Stets bringt ihn sein Talent ans Steuer eines schicken Cabrios; in „Loving You“ ist es weiß mit roten Ledersitzen, in „Jailhouse Rock“ äußert er seine Unfähigkeit, sich zwischen einem weißen und einem roten Cabrio zu entscheiden (ist ja in Schwarz-weiß-Filmen sowieso so’ne Sache), und in „King Creole“ ist der Wagen, gleichsam als dialektische Synthese, pink. Zur Abwechslung ist Elvis‘ Managerin diesmal ein Mann, der idealisiert freundlich anmutende Erlebnisgastronom LeGrand. Dieser macht ihn mit den Grundlagen der Musikindustrie vertraut („The two biggest words in Showbusiness: You’re on!“) und versucht dem Sängervater die Erlaubnis zu einem Werdegang als Profimusiker abzuringen, ein Dialog, der mich sehr anrührt, weil 1981 der Freejazz-Klarinettist Perry Robinson ein ähnliches Gespräch mit meinem Vater führte, allerdings deutlich erfolgreicher. Will sagen: Robinson überzeugte meinen Vater. Nein; dass ich deutlich erfolgreicher wurde als Elvis, behaupte ich keineswegs. 
Paul Steward, der den sympathischen LeGrand spielte, gehörte zum Clique um Orson Welles und verkörperte in Citizen Kane den Butler der Titelfigur. Er wurde immerhin 77 Jahre alt. Uff. 

Keine Frage: Nach „Jailhouse Rock“ war „King Kreole“ eine weitere künstlerische Steigerung. Elvis hielt „King Kreole“ für seinen besten Film. Da aber noch ca. 28 Filme folgten, habe ich Zweifel an seinem Urteil. Ist es möglich, 28mal hintereinander schlechter zu sein als in Film Nr. 4? Nein. Kann gar nicht sein. Oder doch? Wohlan. Rauf auf den Rodel, der angebliche Niedergang beginnt. 

(Mein momentaner Wunsch: dass alle Elvis-Filme auf dem „A Star is Born“- Plot basieren. Singender Schuster. Singender Schaffner. Singender Schiffskoch. Und immer zwei Frauen, zwischen denen er sich entscheiden muss. 30 mal die gleiche Geschichte. DAS wäre kühn).