Elvis‘ Filme (2) „Loving You“

In „Loving you“ (deutsch: „Gold aus heißer Kehle“) spielt Elvis den singenden Bierkutscher Deke Rivers, der von der ebenso raffinierten wie selbstbewussten Managerin Glenda zu nationaler Berühmtheit geführt wird. Souverän interpretiert Elvis die schüchterne Vollwaise und präsentiert ein nicht unbeachtliches Sortiment schauspielerischer Möglichkeiten von Lebensbeichte bis Klopperei. 
Spannender indes ist die Gegenüberstellung zweier Frauenbilder: jenes der schneidigen Managerin Glenda, die sich von keinem Mann die Butter vom Brot nehmen lässt, und Susan, einer Unschuld vom Lande, deren traditionelle Weiblichkeit skizziert wird, indem sie auf dem Rummel beim Dosenwerfen Elvis fragen muss, wie man den Ball hält. Elvis schenkt sein Herz der wurfschwachen Farmerstochter, was die meisten seiner damaligen Fans erleichtert haben dürfte. 

Managerin Glenda wurde von Lizabeth Scott gespielt, einer Tochter slowakischer Einwanderer. Nach Bühnenengagements bei Elia Kazan von Produzent Hal B. Wallis in den Vierzigern als Lauren Bacall-Konkurrenz aufgebaut, wurde die kernige Blondine vom „Confidential Magazine“ 1955 der Homosexualität bezichtigt, was ihre Karriere erheblich beschädigte. Ihre Versuche, sich gerichtlich zu wehren, blieben erfolglos, und „Loving You“ wurde Lizabeth Scotts letzter Film, bevor sie 1972 für „Pulp“ mit Michael Caine und Mickey Rooney ein einziges Mal auf die Leinwand zurückkehrte. Sie starb Anfang dieses Jahres im Alter von 93 Jahren.

Dolores Hart, die Darstellerin der erfolglosen Dosenwerferin Susan, feierte hingegen mit „Loving You“ ihr Filmdebüt. Bis 1962 spielte sie in 9 weiteren Streifen mit, ehe sie nach einer offenbar beeindruckenden Audienz beim Papst in ein Benediktinerkloster in Conneticut eintrat, dessen Priorin sie bis heute ist. 

Der Gegensatz zwischen diesen beiden Frauen, zwischen Fortschritt und  Frömmelei, spiegelt die Persönlichkeitspole des Performers Presley: Schüchtern, ja verschlossen einerseits, extrovertiert, ja wild, wenn er „Let me be your Teddybear“ schmettert. Und all diese Antagonismen ergänzen sich zu einem größeren, zu: Amerika. 

P.S.1: In einer Schlüsselszene des Films fährt Elvis mit seiner Managerin auf einen nächtlichen Friedhof. Im offenen Cadillac, mit roten Ledersitzen. Dass man in Amerika hinterm Steuer isst und heiratet, war mir bekannt, aber motorisierte Anfahrten bis direkt vors Grab? Das war mir neu. Crazy! 

P.S. 2: In einem Bowling-Center nötigt man Elvis, zu singen. Für ein passendes Halbplayback setzt the King eine epochenübliche Jukebox in Gang. Gute Idee; Anregung aufgenommen, wenn unsereiner mal wieder solo unterwegs ist und Verstärkung braucht.